Darmstädter Echo: Mode aus Subsahara-Afrika

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Artikel von Tim Maurer, Darmstädter Echo am 01. November 2017

DARMSTADT - Es ist eher ein Zufall, der den jungen Darmstädter Paul Böger vor zwei Jahren ins afrikanische Ruanda bringt. Denn eigentlich möchte er nach Abschluss der zwölften Klasse lediglich eine Praktikumsstelle finden, die ihm das Fachabitur ermöglicht. Sein Plan "mal raus zu kommen und etwas Neues zu erleben", endet schließlich in der rund 1,2 Millionen Menschen zählenden Hauptstadt Kigali - mitten in Afrika.

"Ich habe mich beim Bundesprogramm "Weltwärts" umgesehen und irgendwie kam das eine zum anderen", erinnert sich der heute 21-Jährige. "Ich selbst hatte keine Bedenken, wusste aber um die zahlreichen Vorurteile - von denen ich heute wirklich viele entkräften kann." Denn der Zufallsfund in Sachen Praktikum entwickelt sich für ihn zum Volltreffer.

"Ich habe in der Hauptstadt in einer WG gelebt und schnell neue Leute kennengelernt", erzählt er. "Und mein Praktikum war auch super - zunächst habe ich die Webseite von einer Organisation betreut und später auch mit behinderten Kindern gearbeitet." Er findet sich schnell zurecht in dem neuen Umfeld und entdeckt viele spannende Aspekte einer ganz anderen Kultur.

Viele Stoffmärkte in Ruanda

"In Kigali gibt es viele Märkte, auf denen mit Stoffen gehandelt wird", so Böger. "Die Extravaganz der Textilien dort hat mich von Beginn an fasziniert." Bunte Motive, ausgefallene Muster - für den jungen Mann steht die Mode in Ruanda vor allem für Lebensfreude. "Mir ist dann auch recht schnell klar geworden, dass ich beide Kulturen miteinander verbinden möchte", sagt er.

Denn in Ruanda tragen die Menschen vor allem klassische Kleidungsstücke wie Röcke oder Kleider aus den traditionellen Stoffen - aber natürlich auch westliche Kleidung. Eine Schnittmenge von modernen Kleidungsstücken aus landesüblichen Stoffen ist selbst dort eher selten. "Der mittleren Schicht ist das zu traditionell und ärmere Menschen können es sich nicht leisten", sagt Böger. "Wenn, dann sind es die wohlhabenden Menschen, die kombinierte Kleidungsstücke tragen."

Noch größeres Potenzial entdeckt der Darmstädter aber in Deutschland - besser gesagt Europa. "Moderne Kleidungsstücke wie Hemden oder Sakkos aus traditionellen afrikanischen Stoffen gibt es hier nicht", betont er. "Schon gar nicht mit Produktionsstandort südlich der Sahara." Doch genau das ist bei seinem Geschäftskonzept ein entscheidender Punkt.

"Ich möchte diese Kleidungsstücke in Deutschland verbreiten, gleichzeitig aber an der Produktion vor Ort festhalten", erklärt Böger, der damit Aufbauarbeit für die lokale Wirtschaft betreibt. "Außerdem will ich die Menschen in Europa dazu anregen, die Kleiderherkunft zu hinterfragen." Die meisten Artikel - ganz gleich ob Discountware oder Designertextilien - würden nämlich aus Fernost kommen.

Für Böger gibt es keine Alternative zu der Produktion vor Ort - obwohl gerade dieser Umstand mit enormen Problemen verbunden ist. "Momentan bin ich quasi selbst der Kurier", sagt er. "Ein Versand ist schlicht zu teuer - eine erste Auswahl habe ich nach Ende meines Freiwilligendienstes mit nach Deutschland gebracht." Erst mal habe er natürlich schauen wollen, ob seine Idee hier überhaupt ankommt.

Tut sie: Die Rückmeldungen bekräftigen ihn - ganz gleich ob von Familie, Freunden oder auch Fremden, die ihn auf der Straße ansprechen. Mit etwa 15 000 Euro Eigenkapital wagt er im Juli 2016 schließlich den Weg zum Start-up und gründet Izuba Clothing. "Izuba steht in der Amtssprache Kinyarwanda für Sonne" erklärt Böger. "Das passt meiner Ansicht nach perfekt zu meiner Kleidung und dem hellen Auftreten."

Die Stoffe kauft er vor Ort und überlegt sich dazu passende Kleidungsstücke - diese lässt er anschließend von ausgewählten Schneidern zusammennähen. "Ein Freund in Ruanda beaufsichtigt den Prozess und steht mit mir in ständigem Kontakt", erklärt Böger. "Hauptproblem ist und bleibt aber die Lieferung nach Deutschland."

Neue Kollektion folgt im Januar

Eine Alternative zum "Kurierdienst" zeichnet sich derzeit nicht ab. "Es ist immer noch billiger, ein paar Koffer mehr zu buchen und die Sachen so mitzuführen, als sie sich schicken zu lassen", sagt er. "Zumal ein Dienstleister vor Ort alles in Sachen Zoll und Einfuhr regelt." Einmal hat Paul Böger seitdem "Nachschub" geholt, im Januar geht es wieder nach Ruanda - dann steht nämlich die neue Kollektion an.

 

Quelle: www.echo-online.de/wirtschaft/wirtschaft-suedhessen/paul-boeger-aus-darmstadt-verbindet-mit-izuba-clothing-zwei-kulturkreise-miteinander_18288503.htm

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